Technische Emanzipation in der Fotografie
Digitaltechnik hat die Fotografie ziemlich zweifelsfrei stark beeinflusst. Was gerade passiert, ist aber ein neues Buch, kein neues Kapitel.
Für den unbedarften Leser: Die heile Kamerawelt teilt sich grob in drei Kategorien. Es gibt die günstigen digitalen Spiegelreflexkameras mit kleinem ACPS-Sensor, die alle Welt liebt.
Dann gibt es die digitalen Profikameras mit Vollformatsensor, der um einiges mehr an Bild und Licht einfängt und entsprechend mehr Auflösung bietet. Das Vollformat ist das gängige Format für analoge Spiegelreflex- und Sucherkameras.
Zuletzt gibt es die Mittelformat-Kameras, die Oberliga der professionell eingesetzten Kameras. Diese Geräte bieten gigantische Auflösungen in einem quadratischen Format. Üblicherweise kommen diese Kameras mit einem gigantischen Preisschild daher.
Alle diese Kameras machen aber per se nur eines: Fotos. Pünktlich zur Photokina bringen alle großen Hersteller neue Modelle auf den Markt. Dieses Jahr gehen die beworbenen Funktionen allerdings leicht über die gewohnten "mehr Megapixel, größere Displays"-Werbeklopfer hinaus.
Den Anfang hat Nikon mit seiner D90 gemacht: Die semi-professionelle digitale Kleinbild-Spiegelreflexkamera kann Videos in 720p-Auflösung (HDready) aufnehmen. Nochmal zum auf der Zunge zergehen lassen: Eine Spiegelreflexkamera mit Videofunktion. In HD-Auflösung.
Canon ließ sich nicht lange bitten und kündigte kurzm seine 5D MK II an, der lang erwartete Nachfolger der erfolgreichen digitalen Vollformat-Spiegelreflexkamera. Neben einer Lichtempfindlichkeit, die hochqualitative, rauscharme Fotos bei Nacht im Laternenlicht ermöglicht (was recht spektatkulär ist), kann diese Kamera 1080p-Video (TrueHD) aufnehmen. Nochmal zum Verdauen: Dieses Video wurde mit einer $2700-Spiegelreflexkamera produziert. Nur mit Foto-Einstelllichtern, keine Videobeleuchtung.
Foto-Urgestein Leica geht wiederum einen anderen weg und greift mit seiner 37 Megapixel-Spiegelreflexkamera mit selbstgestrickter Sensorgröße kurzum das von Hasselblad beherschte Mittelformat an. Dabei ist die Kamera nur so groß und so schwer wie eine Profi-Vollformatkamera. Nach dem Preis fragt man lieber trotzdem nicht.
Olympus entfernt wiederum einfach den Spiegel aus den Spiegelreflexkameras, baut sie dadurch kleiner und verkleinert auch die Objektive nach dem offenen (mirco)FourThirds-Standart.
Was sich hier beobachten lässt, ist nichts anderes als die Emanzipaition der Fotografietechnik von analogen Vorgängern zu allen verfügbaren, digitalen Möglichkeiten.