Zu Besuch bei der Mozilla-Familie: Ein Browser-Überblick [Repost]
März 28th, 2008 . by MartinNetscape legte mit der Veröffentlichung des Quellcodes des Navigator-Browsers den Grundstein für die Mozilla-Webbrowser, die heute beliebter denn je sind. Was ein Verzweiflungsakt gegen Microsofts Internet Explorer war, ist in diesem Sinne ein Erfolg geworden (nur Netscape hat nicht großartig daran verdient). Inzwischen gibt es die Mozilla-Browser in jeder Geschmacksrichtung: vom schlanken Puristen bis zur kompletten Suite, als MP3-Player und als aufgemotzen Social Browser. Diese Vier möchte ich hier kurz vorstellen.
Firefox ist derzeit wohl der beliebteste Browser (je nachdem, welcher Statistik man glauben mag – in meinem persönlichen Umfeld auf jeden Fall), der mit Geschwindigkeit, Sicherheit und Erweiterbarkeit punktet. Die Standart-Installation ist dem Internet Explorer bereits überlegen, mit Erweiterungen wie Adblock Plus, Greasemonkey und Sage wird die Nutzung des Internets aber gleich zu einer ganz anderen Erfahrung. Die Tugenden von Firefox wollen sich auch einige Ableger zueigen machen.
Seamonkeymacht da aber eine Ausnahme: Als Nachfolger des Netscape Navigators und der Mozilla Suite bietet Seamonkey Browser, eMail-Client, Chat und weitere Features in einem einzigen Programm. Leider ist die Standart-Oberfläche immernoch so hässlich wie der NN vor acht Jahren. Benutzer, die aber immer Browser und eMail-Client offen haben, sollen mit Seamonkey angeblich gegenüber Firefox und Thunderbird Ressourcen sparen können – leider fehlt hier die Möglichkeit zum direkten Vergleich, weil es keinen Firefox- oder Thunderbird-Import gibt. Angenehm aufgefallen ist die mögliche Palm-Syncronisierung mit dem eingebauten Adressbuch (habe ich aber nicht getestet). Insgesammt wohl für “Webworker” durchaus interessant.
Songbird ist entgegen seinem eleganten Layout tatsächlich ein ganz bunter Vogel: Die Entwickler nutzen Mozillas Gecko-Engine um einen Musikbrowser aufzubauen, der Musik-bezogene Webdienste und Blogs unterstützt. Leider befindet er sich noch in einer frühen Entwicklungsphase und bietet im Moment nur für Entusiasten und Experimentierfreudige an. Sollte man aber durchaus im Auge behalten.
Was ich von Flock halten soll, weis ich noch nicht so recht. Flock hat sich “social browsing” auf die Fahnen geschrieben, was im Klartext heißt: Das vielbeschworene Web 2.0 mit vielen Erweiterungen in den Browser zu intengieren – ironisch, wenn man bedenkt, dass das Web doch extra möglichst Browser-Unabhängig funktionieren soll. Auch die Funktionen unter der gewöhnungsbedürftig durchgestylten Oberfläche lassen zweifeln: Wirklich nützlich ist Flock nur, wenn man Nutzer der unterstützten Webdienste ist. Wer selbst hostet, kann damit wenig anfangen. Zudem scheinen die bunten animierten Spielereien doch sehr viel Ressourcen zu benötigen – sehr unangenehm.
Der Trend geht wohl zum individuellen Browser: der Audiophile und Musikliebhaber wird mit Songbird das Internet besurfen, der Webworker neigt vielleicht zu Seamonkey, der obsessive Blogger nutzt möglicherweise Flock. Alle anderen basteln sich mit Firefox als Grundgerüst zusammen, was sie wollen. Erweiterungen unterstützen sowieso alle Varianten. Open Source ist toll, oder?